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Das unsichtbare Leben der Addie LaRue

Veröffentlicht am 21/07/2023

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue ist die Geschichte eines unsterblichen Mädchens, dazu verdammt, vergessen zu werden.

Wir folgen Addie 300 Jahre durch die Geschichte und reisen mit ihr durch die Welt.

 

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue

Buchinformationen

AuthorV. E. Schwab
Übersetzer:inSara Riffel, Petra Huber
VerlagFischer TOR
Erscheinungstermin2021-05-26
ISBN978-3596705818
Original TitelThe Invisible Life of Addie LaRue
Erschienen alsE-Book, Taschenbuch, Hörbuch
Gelesen alsE-Book
Bewertung

Klappentext

Addie LaRue ist die Frau, an die sich niemand erinnert. Die unbekannte Muse auf den Bildern Alter Meister. Die namenlose Schönheit in den Sonetten der Dichter. Dreihundert Jahre lang reist sie durch die europäische Kulturgeschichte – und bleibt dabei doch stets allein.
Seit sie im Jahre 1714 einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, ist sie dazu verdammt, ein ruheloses Leben ohne Freunde oder Familie zu führen und als anonyme Frau die Großstädte zu durchstreifen. Bis sie dreihundert Jahre später in einem alten, versteckten Antiquariat in New York einen jungen Mann trifft, der sie wiedererkennt. Und sich in sie verliebt.

Meine Eindrücke

Die Charaktere

Addie war schon immer eine Träumerin und nicht dafür geschaffen, als Ehefrau in einem kleinen Dorf zu sterben. Sie liebt es zu zeichnen, betet zu Göttern und wünscht sich mehr als einmal ihre Freiheit. Als ihr Wunsch sich gegen sie wendet muss sie sich in einer dunklen Welt zurecht finden.

 

Henry fühlt zu viel und kann nur schwer den Stürmen in seinem Kopf trotzen. Trotz seines Studiums und einer Doktorarbeit arbeitet er in einer alten Buchhandlung. Er liebt seinen Job, egal wie wenig er dabei verdient. Er ist rastlos und möchte nichts zweimal erleben, zu kostbar ist seine Zeit, zu schnell schreitet sein sterbliches Leben voran.

 

Wir erleben Addie von Anfang an in zwei verschiedenen Welten. Als das Mädchen aus Villon, das den ganzen Tag träumt, die Welt sehen will und dumme Entscheidungen trifft. Und als die Frau, zu der sie einmal werden wird. Stark, aber abgestumpft durch die Zeit, die sie bereits auf der Erde wandelt. Dennoch kann sie sich noch immer für Dinge begeistern. Für Dinge, Orte und Menschen. Ihr Umgang mit der Welt und den Menschen verändert sich durch die Zeit und ich fand jeden Zwischenstopp abwechslungsreich und spannend.

 

Es gibt nicht viele Nebencharaktere, die man näher kennenlernt. Natürlich nicht - wie soll Addie auch Menschen näher kennen lernen, wenn sie im Kennenlerntag festhängt? Trotzdem verbringt sie teilweise Monate mit den Menschen und hebt sie auf ihre eigene Art und weise liebevoll hervor. Ich mochte Remy unglaublich gerne, obwohl Addie mit ihm nur so wenig Zeit verbringt. Doch die Spannung bei ihrem Aufeinandertreffen und dem daraufhin folgenden Verlauf habe ich nicht erwartet. Es war eine unglaublich schöne Überraschung und so liebevoll beschrieben.

 

Die Handlung

Addie hat einen Fehler begangen, als sie nachts zu den Göttern gebetet hat. Auf der Flucht vor einer Zwangsheirat schließt sie einen Pakt um ihre Seele. Sie ist daraufhin unsterblich und frei, wird jedoch von jedem, dem sie begegnet, vergessen.

Doch natürlich ist Unsterblichkeit kein guter Deal, wenn ihre Seele der Preis ist. So versucht der Gott der Nacht sie über Jahrzehnte zu brechen und sie dazu zu bringen, aufzugeben. Denn wenn sie fertig mit ihrem Leben ist, darf er ihre Seele holen.

Dann ändert sich alles für Addie, als sie jemandem begegnet, der sich an sie erinnern kann.

 

Während Addie 2014 durch New York streift und Henry begegnet, folgen wir ihr im achtzehnten Jahrhundert durch die Straßen von Paris, durch die Jahre weiter nach Chicago, Venedig, London... Verfolgt von ihrem Schatten, im Krieg mit ihm und durch einen brüchigen Frieden.

 

Auch wenn sich die Geschichte sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart abspielt, gibt es parallelen zwischen den Geschehnissen in beiden Zeitebenen. Beide erzählen eine eigene Geschichte mit ungewissem Ausgang. Beide passen zusammen, erzählen spannende Geschichten, die für sich stehen können, miteinander aber ihr volles Potenzial entfalten. Ich hatte nie das Gefühl in eine Flaute zu geraden, stattdessen konnte ich das Buch ab der Mitte gar nicht mehr weglegen.

 

Auch wenn sich die Handlung nur langsam entfaltet, ist man doch sofort mittendrin und emotional involviert. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie Addie ihre Spuren hinterlassen hat - und wie sie sie hinterlässt. So viele wunderbare Blickwinkel, die Welt aus ihren Augen zu sehen hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern mich auch daran erinnert, selbst öfter einmal inne zu halten. Die Umgebung in mich aufzusaugen und zu genießen.

 

Darüber hinaus ist Addies Geschichte genau das: Addies Geschichte und dementsprechend sehr auf sie fixiert. Geschichtliche Ereignisse sind Hintergrundrauschen und Kulisse. Neue Blickwinkel auf Geschehnisse wird man hier nicht finden, dafür ist das Buch zu sehr Charakterzentriert. Und für mich ist das in Ordnung so.

 

Fazit

Es fällt mir schwer eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Ich mochte dieses Buch wirklich, wirklich sehr. Mir haben beide Romanzen besser gefallen als das meiste, was heutzutage auf dem Markt ist und als Romance beworben wird. (Ok, sind wir ehrlich - ich mag Bücher die als Romance beworben werden eigentlich nie.) Selbst wenn eine toxisch und die andere konstruiert war. Ich war emotional involviert und hab durch all die Auf und Abs gelebt, die die Figuren miterlebt hatten.

Dennoch kann ich die Kritikpunkte von vielen, die sich mehr Repräsentation von Bi_PoC gewünscht hätten, sehr, sehr gut nachvollziehen. Auch weibliche Nebenfiguren ist eher selten und das sind auch alles Dinge, die ich rückblickend sehr schade fand.