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Das Moritat der Organspenderin

Veröffentlicht am 04/01/2024

Henri entnimmt Leichen nicht nur ihre Organe, sondern manchmal auch ihr Wissen, um es einem anderen Menschen zu injizieren. Doch dieses Wissen kommt nicht ohne Folgen, schon gar nicht das des Kronprinzen Edward.

 

Das Moritat der Organspenderin

Buchinformationen

AuthorTina Ariam
Verlagwreaders
Erscheinungstermin2023-11-24
ISBN978-3985958993
Erschienen alsE-Book, Taschenbuch
Gelesen alsE-Book
Bewertung

Klappentext

Rye, England, ca. 1884.

Durch die unkenntlich gemachten Gesichter weiß Henri nie, wer auf ihrem Operationstisch landet.

Für die örtlichen Schmuggler entnimmt sie den Leichen ihre Organe. Für die wirklich wichtigen Kunden stiehlt sie das Wissen der Toten. Doch dann liegt plötzlich der britische Thronfolger auf ihrem Tisch.

Die Handlung kurz erklärt

 

Henri ist die Organspenderin, eine Schmugglerin, die Toten ihre Organe entnimmt. Damit ist sie unfreiwillig Teil einer Schmugglerbande. Ihr zur Seite steht Scott, der sich immer um sie kümmert und das tut, was Henri nicht übers Herz bringt.

Aber Organe sind nicht alles, was man einem toten Körper entnehmen kann. Auch Wissen kann man ihnen dank einer von Scotts Maschinen entnehmen und weiterverkaufen.

Einer ihrer größten Abnehmer ist wohl Eustace Moon, ein Moritatensänger, der das Wissen nutzt um neue Moritaten zu schreiben.

Das ist Henri und Scotts Geheimnis – neben den Stimmen, die die beiden in ihrem Kopf hören. Nebenwirkungen davon, wenn einem Wissen injiziert wird.

Doch so gut gehütet dieses Geheimnis auch war, trotzdem wird Henri eines Nachts von bewaffneten Männern geweckt und dazu gezwungen, einer Leiche auf ihrem Tisch ihr Wissen zu entnehmen. Henri ist nach diesem Übergriff sowieso schon traumatisiert, es wird jedoch nicht besser, als sich die Leiche als Kronprinz Edward herausstellt.

Urlaub muss also her und ein Luftschiffflug von London nach Wien scheint fast genau das, was sie gerade brauchen. Nur leider wird daraus kein Urlaub werden.

 

Meine Eindrücke

 

Einstieg & Handlung

 

Das Buch beginnt bereits blutig mit der Entnahme von Organen und jede Menge Leichen. Gut ist jedoch, dass der Prozess nicht im Detail beschrieben wird, sondern die Operationen selbst sehr oberflächlich bleiben. Man kann das Buch also auch gut während dem essen lesen.

 

Die Handlung hat auch nicht besonders lange gebraucht, um ins Rollen zu kommen. Nach einer kleinen Einführung geht es auch direkt los und Henri befindet sich in der wahrscheinlich schlimmsten Nacht ihres Lebens. Danach wird etwas Tempo rausgenommen und ich wusste nicht so wirklich, wie es jetzt weiter gehen soll – immerhin betreten Henri und Scott ein Luftschiff nach Wien. Wieviel kann da denn schon passieren?

Tja, auf jeden Fall eine Menge.

Ein roter Faden fehlt so ein bisschen und bis man merkt, wie alles zusammenhängt, passieren eine Menge Dinge. Deswegen ist es auch nicht so schlimm, dass der rote Faden etwas fehlt. Ganz spannend war es dafür aber herum zu rätseln, was denn jetzt das große Geheimnis oder der große Twist für Henri sein wird. Ich habs mir zwar relativ schnell denken können, aber die Puzzlestücke waren schön verstreut und haben sich am Ende gut zusammengesetzt.

 

Charaktere & Stil

 

Ich fand Henri einen durch und durch liebenswerten Charakter. Klar, ihr Job ist vielleicht nicht der moralischte aller Zeiten, aber Henri hat einfach so nachvollziehbare Gedanken und Handlungen. Und auch eine gewisse Unschuld, die man ihr eigentlich nicht zutraut. Alles in allem war es für mich unmöglich, sie nicht zu mögen.

Anders sieht es mit dem Rest vom Cast aus. Scott war so lieb, dass ich es super fishy fand, aber er blieb mir zumindest weiterhin sympathisch. Eine ordentliche Portion Misstrauen schadet jedoch nie. Das gleiche galt auch für Ludwig und Chad. Too good to be true.

Den einzigen, den ich wirklich gar nicht mochte, war Eustace. Er war mir etwas zu viel und hat mich teilweise auch genervt.

Trotzdem fand ich alle wunderbar dargestellt und hatte vor allem viel Spaß an ihren Dialogen.

 

Stilistisch hat mir das Buch super gut gefallen. Tina Ariams Stil passt sehr gut zur Thematik und zu den Figuren. Trotzdem gab es zwei Dinge, die mich etwas gestört beziehungsweise aus dem Lesefluss geworfen haben. Das waren sich oft wiederholende, eher ungewöhnliche Phrase und Umschreibungen, um “er” oder “sie” zu umgehen. Gerade letzteres fand ich irritierend, weil ich es einfach komisch finde, wenn zum Beispiel Henri als Perspektiventrägerin sich selbst quasi als “Frau” oder “Schmugglerin” umschreibt. Auch wenn ich das irgendwann gewohnt war, hat es mich trotzdem immer mal wieder verwirrt, weil ich zuerst dachte, es geht um eine andere Figur.

 

Fazit

 

“Das Moritat der Organspenderin” ist ein tolles Debüt mit einer sehr interessanten Thematik und noch einem spannenderen Setting. Wir befinden uns hier in einer Steampunk Welt und gerade diese Elemente haben dem Buch noch einen gewissen Charme verliehen.

Bis auf ein paar stilistische Elemente, die mir nicht so gut gefallen haben, bleibt mir das Buch positiv in Erinnerung. Ich konnte mit den Charakteren mitleiden und am Ende wurde mir das Herz herausgerissen.

Gerade deswegen: Klare Empfehlung!